Behandlung & AblaufZuletzt geprüft: 23.08.2026

Sieben Etappen bis zur Retention: der Ablauf einer Aligner-Behandlung

Wie läuft eine Aligner-Behandlung ab? Die sieben Schritte, die typische Termindichte und was Sie selbst leisten müssen, sachlich erklärt für Patienten.

Patient im Beratungsgespräch zum Invisalign Behandlungsablauf, digitale Planung auf einem Tablet
Vor der ersten Schiene stehen Befund, Scan und Heil- und Kostenplan.Foto: Caroline LM / Unsplash

Eine Aligner-Behandlung läuft in sieben Etappen ab und kommt dabei in der Regel mit sechs bis zehn Terminen in der Praxis aus, verteilt über die gesamte Behandlungszeit. Drei davon liegen vor der ersten Schiene: Befund, Scan, Planbesprechung. Der Rest sind Kontrollen und der Abschluss mit der Retention. Invisalign ist dabei ein Produktname unter mehreren am deutschen Markt, der hier beschriebene Ablauf gilt in seinen Grundzügen für alle gängigen Schienensysteme.

Lesen Sie den Ablauf nicht als Terminkette, sondern als Arbeitsteilung. Die Praxis plant, setzt die Hilfsmittel und kontrolliert. Tragen müssen Sie. Deshalb haben zwei Menschen mit identischem Befund oft völlig unterschiedliche Verläufe.

Auf einen Blick

  • Der Ablauf gliedert sich in sieben Schritte: Erstberatung mit Befund, Intraoralscan und digitales Setup, Heil- und Kostenplan, Attachments und erste Schiene, Schienenwechsel im Intervall, Kontrolltermine, Retention.
  • Vor der ersten Schiene liegen üblicherweise zwei bis drei Termine, dazwischen mindestens eine Planungsphase im Labor von einigen Wochen.
  • Die Schienen werden in der Regel 20 bis 22 Stunden täglich getragen und im vorgegebenen Intervall gewechselt, meist alle 7 bis 14 Tage.
  • Kontrolltermine liegen typischerweise 6 bis 10 Wochen auseinander und dauern oft nur 10 bis 20 Minuten.
  • Die 3D-Planung zeigt einen geplanten Verlauf, keine zugesicherte Endstellung. Wie weit die Zähne der Planung folgen, zeigt erst die Kontrolle am Patienten.

Der Ablauf in einem Satz

Eine Aligner-Behandlung beginnt mit einem Befund, wird digital geplant, über eine Serie leicht veränderter Schienen umgesetzt und endet nicht mit der letzten Schiene, sondern mit einem Retainer.

Wenn Sie nur eine Sache mitnehmen: Das Ende ist nicht das Ende.

Die sieben Schritte im Detail

1. Erstberatung und Befund inklusive Röntgen

Was passiert. Die Praxis erhebt den kieferorthopädischen Befund: klinische Untersuchung von Zähnen, Zahnfleisch und Kiefergelenk, Fotos von Gesicht und Gebiss, dazu eine Röntgendiagnostik, in der Regel ein Panoramaschichtbild und je nach Fragestellung eine Fernröntgenseitenaufnahme zur Beurteilung der Kieferlage. Karies und Zahnfleischerkrankungen müssen vorher saniert sein, denn eine Schiene verschiebt Zähne in einem Knochen, der gesund sein muss.

Hier fällt die Grundsatzentscheidung: Ist der Befund mit Alignern sinnvoll behandelbar? Leichte bis mittlere Engstände, Rotationen einzelner Zähne, Lücken und bestimmte Bissabweichungen sprechen dafür. Bei ausgeprägten skelettalen Diskrepanzen, also einer deutlichen Abweichung in der Lage der Kiefer zueinander, ist in der Regel eine andere Apparatur oder eine kombiniert kieferchirurgische Behandlung indiziert.

Was Sie tun müssen. Bringen Sie mit, was da ist: Vorbefunde, ältere Röntgenbilder, eine Liste eingenommener Medikamente. Und stellen Sie die unangenehme Frage gleich am Anfang, nämlich ob Ihr Befund für Schienen überhaupt geeignet ist.

2. Intraoralscan und digitales Setup

Was passiert. Der Intraoralscan ersetzt den klassischen Abdruck. Ein Handscanner fährt die Zahnreihen in wenigen Minuten ab und erzeugt ein dreidimensionales Modell des Gebisses. Kein Abdrucklöffel, kein Würgereiz, kein Gips. Aus diesem Modell entsteht das digitale Setup (bei einem der Systeme als ClinCheck bezeichnet, andere Anbieter nutzen eigene Bezeichnungen), also die schrittweise Planung der Zahnbewegung. Darin wird festgelegt, welcher Zahn wann wie weit bewegt wird, wo Attachments nötig sind und ob approximale Schmelzreduktion vorgesehen ist.

An dieser Planung unterscheiden sich Behandlungen fachlich. Das Setup kommt als Vorschlag aus dem Labor, und die behandelnde Praxis überarbeitet es. Wie viele Korrekturschleifen dabei gedreht werden, sehen Sie nicht, aber Sie dürfen danach fragen.

Was Sie tun müssen. Wenig, außer den Mund offen halten. Vor dem Scan gründlich putzen. Danach die entscheidende Frage stellen: Wer hat mein Setup geplant und wer hat es freigegeben?

3. Heil- und Kostenplan

Was passiert. Der Heil- und Kostenplan ist die schriftliche Aufstellung der geplanten Leistungen. Privat abgerechnet wird nach GOZ-Positionen, einzeln aufgeführt. Er nennt Behandlungsdauer, Schienenzahl und Nebenleistungen und ist die Grundlage für jedes Gespräch mit Kasse oder Zusatzversicherung.

Kassenleistung ist die Behandlung in der Regel nur bei Jugendlichen ab KIG 3 (Quelle: G-BA, § 29 SGB V); für Erwachsene und für Aligner gilt das praktisch nicht. Details: Kasse, Zusatzversicherung, Steuer

Was Sie tun müssen. Nehmen Sie den Plan mit nach Hause und lesen Sie ihn in Ruhe. Drei Punkte prüfen: Sind Refinement-Schienen, also Nachkorrekturen, enthalten oder werden sie separat berechnet? Ist der Retainer im Honorar enthalten? Was passiert kostenseitig, wenn Sie eine Schiene verlieren? Später zu klären ist das deutlich mühsamer.

→ Ausführlich zu den Kosten: Was kostet eine Aligner-Behandlung?

4. Attachments setzen und erste Schiene

Was passiert. Beim Behandlungsstart werden Attachments geklebt. Das sind kleine Kunststoff-Aufsätze auf der Zahnoberfläche, an denen die Schiene greift, damit auch Bewegungen möglich werden, die eine glatte Schiene nicht erzeugen kann, etwa das Aufrichten eines gekippten Zahns. Der Zahn wird dafür nicht beschliffen. Im gleichen Termin kann eine approximale Schmelzreduktion erfolgen, kurz IPR, bei der zwischen zwei Zähnen ein Bruchteil eines Millimeters Schmelz abgetragen wird, um Platz zu schaffen. Dann wird die erste Schiene eingesetzt und der Sitz geprüft. Es ist der längste Termin der ganzen Behandlung.

Was Sie tun müssen. Einsetzen und Herausnehmen einmal selbst üben, solange jemand daneben steht. Fragen Sie nach Chewies, kleinen Kunststoffrollen zum Aufbeißen, die die Schiene vollständig setzen. In den ersten zwei bis drei Tagen ist ein Druckgefühl zu erwarten, das die meisten als gut erträglich beschreiben.

→ Ausführlich: Attachments, Chewies und IPR: die Begriffe im Behandlungsplan

5. Schienenwechsel im vorgegebenen Intervall

Was passiert. Sie wechseln zu Hause auf die nächste Schiene, meist alle 7 bis 14 Tage, je nach Planung. Jede Schiene ist minimal anders geformt als die aktuelle Zahnstellung, und genau diese Differenz erzeugt die Bewegung. Das Intervall gibt die Praxis vor, nicht das Gefühl im Mund. Eine Schiene, die sich locker anfühlt, ist nicht zwingend fertig.

Was Sie tun müssen. Das ist Ihr Hauptteil der Arbeit, und er läuft ohne Aufsicht. In der Regel 20 bis 22 Stunden täglich tragen, zum Essen und für zuckerhaltige oder heiße Getränke herausnehmen, Schiene und Zähne vor dem Wiedereinsetzen reinigen, alte Schienen aufbewahren. Notieren Sie den Wechseltag. Wer nach vier Monaten nicht mehr weiß, bei welcher Nummer er steht, verliert Zeit im Termin.

6. Kontrolltermine

Was passiert. Die Praxis prüft das Tracking, also ob die Zähne der geplanten Position tatsächlich folgen. Sichtbar wird das an der Passung: Sitzt die Schiene überall vollständig auf, oder klafft an einer Stelle ein Spalt? Attachments werden ergänzt oder ersetzt, geplante IPR-Schritte durchgeführt, bei Bedarf Gummizüge eingehängt. Kontrollen liegen typischerweise 6 bis 10 Wochen auseinander.

→ Verwandt: Luft zwischen Aligner und Zahn: normal oder Problem?

Was Sie tun müssen. Alle Schienen mitbringen und ehrlich sein. Wenn Sie im Urlaub zwei Wochen kaum getragen haben, ist das eine wichtige Information und kein Geständnis. Sonst wird auf einer falschen Annahme weitergeplant.

7. Retention

Was passiert. Nach der letzten aktiven Schiene beginnt die Retentionsphase. Attachments werden entfernt und die Zahnoberflächen poliert, der Befund wird dokumentiert, und es wird ein Retainer angefertigt: ein dünner Draht auf der Zahninnenseite, eine Retentionsschiene für die Nacht oder eine Kombination. Was danach hält, wird jetzt geplant, nicht später.

Was Sie tun müssen. Den Retainer tragen beziehungsweise kontrollieren lassen, dauerhaft. Auch dann, wenn nichts wehtut und alles gut aussieht.

→ Ausführlich: Retainer nach der Zahnspange

Wie viele Termine sind wirklich nötig?

Die Zeitangaben sind Orientierungswerte aus der Praxis.

Phase Typische Termindichte Ihr Aufwand Was schiefgehen kann
Befund und Beratung 1 Termin, 45 bis 60 Minuten Unterlagen mitbringen, Fragen vorbereiten Sanierungsbedarf wird übersehen, Behandlung startet auf ungesundem Fundament
Scan und Setup 1 Termin, dazwischen Planungszeit im Labor Gründlich putzen, sonst nichts Planung wird ungeprüft übernommen, Erwartung entsteht an der Animation statt am Befund
Heil- und Kostenplan 1 Besprechungstermin Plan zu Hause durchlesen, Rückfragen sammeln Refinement und Retainer sind nicht eingepreist
Behandlungsstart 1 langer Termin, 60 bis 90 Minuten Handhabung lernen und einmal selbst üben Schiene wird nicht vollständig gesetzt, Bewegung startet verzögert
Aktive Tragephase keine Praxistermine, Wechsel zu Hause täglich 20 bis 22 Stunden, Wechsel nach Vorgabe Tragezeit sinkt unbemerkt, Tracking-Verlust
Kontrollen alle 6 bis 10 Wochen, 10 bis 20 Minuten Termin einhalten, Schienen mitbringen Ausgefallene Termine verschieben die gesamte Restplanung
Abschluss und Retention 1 bis 2 Termine, danach Kontrollen Retainer dauerhaft nutzen Retention wird als optional verstanden

Die Tabelle zeigt, was im Beratungsgespräch selten so deutlich wird: Die Praxis sieht Sie an sechs bis zehn Tagen. An allen anderen sind Sie allein mit der Schiene.

Zeigt das digitale Setup mein Endergebnis?

Nein. Ein digitales Setup ist eine Planungsgrundlage, keine Ergebniszusage: Es zeigt, welche Bewegung in welcher Reihenfolge angestrebt wird, wenn die Behandlung wie geplant verläuft. Wie weit die Zähne dieser Planung tatsächlich folgen, entscheidet der Befund, die biologische Reaktion und die Tragezeit, und sichtbar wird das erst in den Kontrollterminen. Die faire Frage in der Beratung lautet deshalb nicht "Sieht mein Ergebnis so aus?", sondern "An welchen Zähnen ist die Planung am unsichersten?".

→ Ausführlich, was Simulationen und Vorher-Nachher-Bilder aussagen: Zahnschienen vorher und nachher

Ablauf im Vergleich: Aligner und feste Brackets

Ablaufschritt Aligner-Behandlung Festsitzende Brackets (außen)
Vorbereitung Befund, Röntgen, Intraoralscan, digitales Setup vorab Befund, Röntgen, Abdruck oder Scan, Planung meist ohne vollständige Vorabsimulation
Wartezeit bis Start mehrere Wochen für Planung und Fertigung der Schienenserie Bänder und Brackets werden im Termin gesetzt, kaum Vorlauf
Behandlungsstart Attachments kleben, erste Schiene einsetzen und Handhabung erlernen Brackets kleben, Bogen einligieren
Aktive Phase Wechsel zu Hause im vorgegebenen Intervall, Schiene wird herausgenommen Bogenwechsel und Aktivierung ausschließlich in der Praxis
Termindichte seltener, Kontrollen meist alle 6 bis 10 Wochen häufiger, Aktivierungen meist alle 4 bis 8 Wochen
Eigenleistung hoch, Tragezeit und Wechsel liegen bei Ihnen gering, die Apparatur arbeitet unabhängig von Ihrer Mitarbeit
Mundhygiene im Alltag Zähne werden ohne Apparatur geputzt, Schiene separat gereinigt Reinigung um Brackets und Bogen ist aufwendiger
Steuerbarkeit bei komplexen Befunden begrenzt, abhängig von Befund und Planung breiter einsetzbar, auch bei ausgeprägten Fehlstellungen
Abschluss Attachments entfernen, polieren, Retention Brackets entfernen, Kleberreste polieren, Retention

Beide Wege enden am selben Punkt, beim Retainer. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität, sondern in der Verteilung der Verantwortung. Eine feste Apparatur nimmt Ihnen die Disziplin ab und gibt Ihnen dafür Sichtbarkeit und Putzarbeit. Die Schiene macht es umgekehrt.

→ Ausführlich zu den Grenzen: Welche Nachteile haben Aligner?

Woran bleiben Aligner-Behandlungen hängen?

Die Termine tragen die Behandlung nur, wenn sie stattfinden. Fällt eine Kontrolle aus, wechselt die Serie weiter, ohne dass jemand das Tracking geprüft hat, und die Planung läuft ab diesem Punkt auf einer Annahme. Ein früher Anruf kostet fünf Minuten und spart oft Monate. Woran eine Behandlung zeitlich hängt, steht ausführlich unter Wie lange dauert eine Aligner-Behandlung?.

Wie schnell ein einzelner Kiefer auf die geplante Kraft reagiert, lässt sich vorab ohnehin nicht sagen. Das beurteilt nur die Kontrolle in der Praxis.

Häufige Fragen

Wie viele Praxistermine brauche ich für eine Aligner-Behandlung?

In der Regel sechs bis zehn Termine über die gesamte Behandlungszeit, wobei zwei bis drei davon vor der ersten Schiene liegen. Die genaue Zahl richtet sich nach Befundtiefe, geplanter Behandlungsdauer und der Frage, ob eine Refinement-Phase nötig wird. Verbindlich ist die Planung Ihrer Praxis, nicht eine Faustregel.

Ist vor einer Aligner-Behandlung ein Röntgenbild nötig?

Eine kieferorthopädische Behandlung setzt einen vollständigen Befund voraus, und dazu gehört eine Röntgendiagnostik, in der Regel ein Panoramaschichtbild und je nach Fragestellung eine Fernröntgenseitenaufnahme. Nur so lassen sich Wurzellage, Knochenverhältnisse und versteckte Befunde beurteilen. Schienen ohne vorherigen Befund und ohne Röntgen zu bestellen, ist ein Risiko, das man nicht sehen kann.

Wie oft muss ich die Schiene wechseln?

Der Wechsel erfolgt zu Hause im Intervall, das die Praxis vorgibt, häufig alle 7 bis 14 Tage. Das Intervall hängt von der geplanten Bewegung ab und wird nicht nach Gefühl verkürzt. Eine Schiene, die sich locker anfühlt, hat ihre Aufgabe nicht zwingend erfüllt.

Was passiert, wenn ich einen Kontrolltermin verpasse?

Ein einzelner verschobener Termin ist meist unkritisch, solange Sie zeitnah einen neuen bekommen. Problematisch wird es, wenn mehrere Kontrollen ausfallen, denn dann läuft der Schienenwechsel ohne Überprüfung des Trackings weiter. Melden Sie sich in der Praxis, sobald Sie merken, dass ein Termin nicht klappt.

Kann ich die Behandlung abbrechen, wenn ich mit den Schienen nicht zurechtkomme?

Ein Abbruch ist möglich, hat aber Folgen, die Sie vorher kennen sollten: Die Zähne stehen dann in einer Zwischenposition, und ohne Sicherung ist mit einer Rückbewegung zu rechnen. Sprechen Sie zuerst über die Ursache, denn Handhabungsprobleme, Druckempfindlichkeit oder ein zu ambitioniertes Wechselintervall lassen sich häufig anpassen. Zu den vertraglichen und finanziellen Folgen gibt Ihre Praxis Auskunft.

Zeigt die 3D-Simulation mein späteres Behandlungsergebnis?

Sie zeigt den geplanten Verlauf, nicht ein zugesichertes Ergebnis. Wie weit die Zähne der Planung folgen, hängt von Befund, biologischer Reaktion und Tragezeit ab und wird in den Kontrollterminen überprüft. Zugesichert wird der Weg, nicht der Endpunkt.


Wenn Sie wissen möchten, welche Praxen in Ihrer Nähe mit Alignern arbeiten und den Ablauf vorab transparent erklären, finden Sie sie über die Spezialisten-Suche im Aligner Atlas.

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